Moor- und Fehnmuseum Elisabethfehn
Virtueller Museumsrundgang - Gewinnung und Nutzung von Torf


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Mit diesen Geräten wurde der Torf gegrabenTorfgewinnung früher

Modelle zeigen die Schiffstypen, die auf den Fehnkanälen zum Torftransport genutzt wurden: Pogge, Mutte und Tjalk.

Der Torf wurde früher im Handtorfverfahren abgebaut. Dazu gehörten die Geräte Jager und Sticker, Bunkspaten und Kreite (siehe Abbildung rechts).

Um im Winter Brenntorf zur Verfügung zu haben, musste der Torf bereits im Frühjahr gestochen werden. Zuerst mußte das Hochmoor teilentwässert werden. Dies geschah durch die am Kolonat gelegenen Wieken und Kanäle. Dann wurde die sogenannte Torfpütte angelegt.

Das Torfgraben

Jetzt wurde die über dem Schwarztorf liegende Heide und Weißtorfschicht abgetragen. Mit einem Sticker teilte man von oben den Torf in vertikale Einschnitte. Es ergaben sich auf der gesamten Länge genau 32 Soden von 36 cm. Danach wurde von unten mit dem Jager der Torf durch horizontalen Schnitt abgenommen und auf die Torfkarre gelegt.

Von der Abbaustelle aus wurde der Torf zum Trocknen auf das Schlagfeld geschoben. Die Karre wurde umgekippt, so dass die Soden schräg nach oben lagen. Dort blieben sie zum Trocknen liegen.

Je nach Wetterlage wurde der Torf mehrfach alle 6 - 8 Wochen umgestapelt. Zwischen den einzelnen Soden blieb immer ein Zwischenraum von 5 cm. Dieses Trocknen dauerte bis in den Herbst hinein. Wenn der Torf trocken war, wurde er in Haufen gesetzt. Diese Haufen wurden auch Bülte genannt. Sie erhielten eine kreisrunde Form. In der Höhe bestanden sie aus 18 Soden, im Durchmesser von 9 oder 12 Fuß (ein Fuß circa 30 cm). Von den Bülten aus wurde der Torf zur Lagerung in Vorratsmieten oder Torfschuppen gebracht. Sollte der Torf verschifft werden, legte man ihn vom Bült auf eine Trage, die Kreite genannt wurde. Zwei Personen trugen dann den Torf auf das Schiff. Auf dem Schiff kippte man die Kreite mit dem Torf aus.

Dieses Handtorfverfahren wurde hier am Kanal angewandt. Es gab aber zahlreiche Varianten des Torfabbaus in der Umgebung. Auch die für den Abbau benutzten Torfgeräte waren je nach Region unterschiedlich.


Maschinen im Moor

Mit Beginn der Jahrhundertwende, wurden Maschinen zum Abbau des Torfes entwickelt. Das große Modell in unserer Ausstellung zeigt ein Torffeld mit den Torfmaschinen der ersten Generation. Die Maschinen wurden später enorm weiterentwickelt, wobei Konstrukteure aus Elisabethfehn eine bedeutende Rolle spielten. Viele dieser Maschinen zum Schwarz- und Weißtorfabbau sind im Freigelände ausgestellt.

Je nach späterem Verwendungszweck des Torfes sind der Zeitpunkt des Abbaus, die Methode und die Wahl der torfabbauenden Maschine unterschiedlich. Voraussetzung für die maschinelle Torfgewinnung ist die Entwässerung der Torflagerstätte auf einen Wassergehalt von 90 Gewichtsprozent.


Weißtorfabbau

Die Weißtorfstechmaschine sticht 6 Soden (je 15 x 15 x 42 cm) im Block ab. Dieser Block wird als Torfreihe auf dem Feld abgesetzt. Dort trocknet er bis zur weiteren Verwendung auf einen Wassergehalt von 50 - 60% ab. Die Trocknung geschieht durch Sonne und Wind.

Während der Trocknungsperiode werden die Soden per Hand oder maschinell mit einem Rüttler umgeschichtet. Dies beschleunigt die Trocknung. Sie dauert im günstigsten Fall 1/2 Jahr, im ungünstigsten Fall 11/2 Jahre. Mit Verladegeräten werden die Torfsoden in Loren geladen. Anschließend transportiert eine Feldbahn die Soden zur weiteren Verarbeitung ins Werk. Manchmal werden die Soden auch in Vorratsmieten für die Produktion in den Wintermonaten zwischengelagert.


Moderne TorfabbaumaschineSchwarztorfabbau

Beim Schwarztorfabbau wird der Torf mit einem Eimerleiterbagger in seiner gesamten Tiefe aus der Lagerstätte befördert. Der im Gartenbau eingesetzte Schwarztorf wird im Spätherbst gebaggert. Der nasse Torf muss den Winter über durchfrieren.

Durch den Frost werden seine physikalischen Eigenschaften verbessert. Beim Gefrieren sprengt das Eis die Torfmasse und lockert sie. Die Wasserkapazität des so gewonnen Torfes hat sich erhöht. Im Frühjahr wird der Torf mehrmals bearbeitet. Nach der Trocknung auf einen Wassergehalt von 65 % erfolgt das maschinelle Einsammeln.


Torfkoks

Der sogenannte "Industrietorf" dient zur Herstellung von Torfkoks und Torfaktivkohle. In Elisabethfehn steht noch heute die älteste Torfkoksfabrik der Welt. Bei der Torfkoksherstellung, entstehen aus 1.000 kg Schwarztorf durch trockene Destillation 417 kg Torfkoks, 216 kg Schwelgas, 106 kg Teer und 216 kg Schwelwasser. Aufgrund der hohen Umweltschutzauflagen wurde die Herstellung von Torfkoks in Deutschland unwirtschaftlich und 1990 in Elisabethfehn eingestellt.

In der Industrie findet Torfkoks vielseitig Verwendung. Heute wird in der Hauptsache Torfaktivkohle im Umweltbereich, unter anderem zur Filterung von Wasser, eingesetzt.


Torf im Garten

Der größte Teil des abgebauten Torfes findet in der Bundesrepublik Deutschland im Erwerbs- und Hobbygartenbau, im Garten- und Landschaftsbau sowie beim Anbau von Spezialkulturen Verwendung.

Im Gartenbau werden sowohl Weiß- als auch Schwarztorfe eingesetzt. Entsprechend ihrem Einsatzgebiet werden diese Torfe ohne Zusatzstoffe verwendet oder gezielt aufgekalkt und mit Nährstoffen angereichert. Die Vorteile des Torfes nutzen zahlreiche Baumschulen und Gartenbaubetriebe sozusagen "an der Quelle". Sie haben sich direkt in den moorreichen Gebieten Niedersachsens niedergelassen. Wiesmoor, Papenburg, Westerstede, Bad Zwischenahn und andere sind Hochburgen dieser Betriebe.

In den letzten Jahren wurden neben dem Torf auch verstärkt Torfersatzstoffe eingesetzt. Hierfür gibt es vor allem drei Gründe: den Moorschutz, örtlich begrenzte Torfmengen und die moderne Abfallverwertung.


Modische TorftextilienTorffasern

Außerdem wird die Nutzung von Torffasern vorgestellt. Torffasern fallen als Abfallprodukt bei der Torfmullherstellung an. Sie werden durch Absieben aus Torfmull gewonnen. Die Fasern sind humifizierte Blattscheiden des Wollgrases (Eriophorum vaginatum). Torffasern werden in geringem Umfang zur Textilherstellung und in der Aquaristik angewendet. In der Ausstellung sehen Sie eine Reihe von Torftextilien aus Schweden.


Moorbäder

Auch in der Bädermedizin wird Torf angewandt. Insgesamt setzen in Deutschland über 100 Kurbetriebe, Kleinpraxen und Krankenhäuser Moorbäder und Moorpackungen ein. Huminstoffe, Gerbstoffe, östrogene Stoffe und andere werden als chemisch günstige Heilfaktoren hervorgehoben. Durch ein Moorbad wird der Körper langsam und schonend erwärmt. Unmittelbar vor unserer Haustür befindet sich das bekannte Moorheilbad Bad Zwischenahn.


Torfwirtschaft heute

Torf ist ein begrenzter Rohstoff, der bei uns nicht so schnell nachwächst, wie er verbraucht wird. Die Torfvorräte für aktuell genehmigten Abbau belaufen sich für Niedersachsen auf 15 Jahre bei Weißtorf und 35 Jahre bei Schwarztorf. Heute werden durch Torfimporte aus den skandinavischen Ländern und dem Baltikum und die Verwendung von Zuschlagstoffen die eigenen Torfvorräte gestreckt. So ist die Versorgung mit Torfprodukten noch über einen längeren Zeitraum gesichert.

Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts hat die Torfindustrie einen Wandel von der Torfwirtschaft zur Torf- und Humuswirtschaft erfahren.

Jetzt kündigt sich ein weiterer Wandel an. Zukunftsträchtig scheint die Herstellung von Kompostmischprodukten aus verkompostierten Grünabfällen und Torf. Außerdem werden verstärkt Rindenmulch- und Rindenhumusprodukte eingesetzt.

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eMail: moor-u.fehnmuseum@t-online.de * Telefon: 0 44 99 - 22 22 * Fax: 0 44 99 - 7 44 77

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